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Ist der Traum eines vereinigten Europa ausgeträumt?

Dabei wäre es nach zwei Weltkriegen schön, wenn die Völker auf diesem Kontinent in Harmonie miteinander leben könnten. Aber das funktioniert nur, wenn man die Menschen mitnehmen würde.
Wann immer die politische Seite von Werten in Bezug auf Europa erzählt, werde ich das Gefühl nicht los, dass hier außer der viel beschworenen Reisefreiheit lediglich die materiellen Werte gemeint sind:
Ein freier Markt für Großunternehmen, Konzerne, die den Rahm abschöpfen.
Noch nie gab es so viele Reiche und Superreiche auf diesem Kontinent und dagegen immer mehr Menschen innerhalb Europas, die verarmen. Die Mittelschicht in Deutschland und in den anderen Ländern Europas bricht immer weiter weg, ohne Geld in der Tasche, macht die Reisefreiheit auch keinen Sinn. Dessen ungeachtet lamentieren die Politiker fast aller Parteien vom Zusammenhalt der Völker.
Dieses „Wir“ sind ein reiches Land, das wirkt für die Menschen, denen durch die neoliberale Politik immer mehr genommen wird, um es nach oben zu verteilen, wie Hohn und Spott. Viele Menschen rutschen ungebremst in die Altersarmut, immer mehr Menschen verlieren ihre Arbeit oder können von den Niedriglöhnen nicht leben.
Ich denke mir dann jedes Mal: Meinen die das in Brüssel und Berlin wirklich oder reden die Politiker mehr von sich selbst und ihren Lobbyisten-Vertretern? Wenn die Verantwortlichen nicht schleunigst neue Gesetze auf den Weg bringen, die diese Kluft zwischen Arm und Reich innerhalb Europas schließt, schaufeln sie das Grab für Europa.
Menschen spüren die Ungerechtigkeit, Wut staut sich auf und irgendwann brechen alle Dämme.
Ich frage mich, ob die Verantwortlichen nichts aus dem 1. und 2. Weltkrieg dazugelernt haben?
Auch damals boomten die Börsen, die Gier einiger Zeitgenossen war einfach zu groß, es folgte der große unvermeidliche Crash mit verheerenden Folgen und jetzt stehen wir wieder kurz davor.
Viele ahnungsvolle Zeitgenossen verwiesen vor Einführung der Gemeinschaftswährung auf die unterschiedlichen Volkswirtschaften und dass man diese nicht einfach zu einer Masse zusammenpressen könnte. Allen Warnungen zum Trotz paukten die Politiker seinerzeit den Euro durch, obwohl es gute Gründe dagegen gab. Großbritanniens Margret Thatcher als Befürworterin der Einheitswährung lehnte nicht ohne Grund die Einführung dieser Währung im eigenen Land ab.

Anhand eines banalen Beispiels bekommt man den Eindruck, dass es sich bei der Einheit Europas mehr um eine Floskel handelt:
In einem wöchentlich erscheinenden regionalen Anzeigenblatt beschwerten sich zahlreiche Leser über ein, ihrer Meinung nach, einseitiges Musikprogramm des NDR-Hörfunks.
Auch mir fiel auf, dass im Radio fast nur noch englischsprachige Titel gespielt werden, da war die Musikauswahl früher europäischer: Mit den neuesten Songs aus Italien, Frankreich, Spanien etc.
Mittlerweile sind noch mehr europäische Länder hinzugekommen, da müsste die musikalische Vielfalt eigentlich größer sein, doch die existiert nicht mehr, dabei gilt Musik als Kulturgut und dient der Völkerverständigung.
Aber offenbar besitzen englische und amerikanische Musikkonzerne ein derart hohes Machtmonopol, da bleiben alle anderen europäischen Musiker auf der Strecke.
Anhand dieser Nebensächlichkeit, erkennt man, wohin man innerhalb Europas gekommen ist: Nur noch Konzerne, auch die der Musikindustrie, beherrschen das Geschäftsfeld und diese multinationalen Unternehmen wollen ihre Gewinne maximieren.

Hinsichtlich der Flüchtlingskrise kann man sagen, dass Europa bereits jetzt über die Grenzen seiner Kapazitäten gekommen ist. Ratlosigkeit und Streitigkeiten zwischen den Politikern der verschiedenen EU-Staaten, die um eine Lösung bei der Verteilung der Flüchtlinge ringen.
Aber die Pläne, das Flüchtlingsaufkommen alleine dem finanziell stark geschwächten Griechenland und der Türkei zu überlassen, empfinde ich als brandgefährlich. Wer diese Lösung favorisiert, der bedenkt nicht, dass sich diese beiden Länder eigentlich noch immer im Kriegszustand befinden. Gleiches gilt für die Balkanländer, auch hier ist der letzte Krieg noch nicht aufgearbeitet.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, was geschieht, wenn die Europäische Union zu Boden geht... . Albtraum Europa?

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